Fingerstyle
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Was ist eigentlich Fingerstyle?

Fingerstyle und der häufig synonym gebrauchte Begriff  Fingerpicking bezeichnen sowohl eine Spieltechnik auf der Gitarre als auch verschiedene Formen zumeist instrumentaler Gitarrenmusik, bei denen diese Spieltechnik angewandt wird. 

Beim Fingerstyle werden die Saiten der Gitarre mit den einzelnen Fingern der Anschlaghand angeschlagen. Die Spieltechnik unterscheidet sich damit vom Flatpicking mit Plektrum bzw. der früher im deutschsprachigen Raum auch als Schlaggitarre bezeichneten Technik, bei der mehrere Saiten mit dem Daumen angeschlagen werden. Das Zupfen der Saiten kann mit den Fingerkuppen, mit den Fingernägeln wie auch bei der Klassischen Gitarre erfolgen. Manchmal kommen aber auch Fingerpicks zum Einsatz.

Im deutschsprachigen Raum wird Fingerstyle jedoch meistens enger gefasst und als Bezeichnung für eine Spieltechnik verstanden, die sich von der klassischen unterscheidet. Wesentliche Unterschiede sind hierbei:im Unterschied zur Haltung der klassischen Gitarre liegt das Instrument beim Spiel in der Regel mit der Einbuchtung der unteren Zarge dem rechten Oberschenkel und bildet mit dem Körper des Spielers mehr oder weniger einen rechten Winkel;Unterarm und Anschlaghand bilden manchmal eine Gerade, bei den meisten Musikern aber mit einen anderen Winkel als bei der klassischen Spielweise;die Basssaiten werden häufig mit dem Handballen der Anschlaghand abgedämpft (palm muting);die tiefen Saiten (aus anatomischen Gründen meistens nur die tiefste Saite) können auch mit dem Daumen der Greifhand (das ist bei Rechtshändern die linke Hand) gegriffen werden.

Fingerstyle wird vorwiegend auf mit Stahlsaiten bespannten akustischen Gitarren gespielt, teilweise aber auch auf Gitarren mit Nylonsaiten (David Qualey) oder Hollowbody-Jazzgitarren (Martin Taylor). Die Gitarren sind nicht selten offen gestimmt (Open D oder DADGAD), also abweichend zur Standardstimmung EADGHE.

So sehen manche Autoren, wie zum Beispiel der Gitarrist und Gitarrenlehrer Ulli Bögershausen Fingerstyle als eigene Stilrichtung an. Hier bezeichnet Fingerstyle dann einen bestimmten Typ instrumentaler Gitarrenmusik, der sich aus Country Blues und Ragtime entwickelt hat und insbesondere durch den Wechselbass gekennzeichnet ist.

Fingerstyle
ist die Kunst, eine einzige Gitarre zu einem kompletten Ensemble umzugestalten. Die beiden wesentlichen Elemente sind dabei die Melodielinie und eine Begleitung dazu auf den Bass-Saiten, die man gleichzeitig spielt; je nach Bedarf und Arrangeur-Kunst können auf den mittleren Saiten noch Stimmen dazukommen, die Harmonie oder Rhythmus präzisieren, für mehr Klangfülle sorgen und den Eindruck der Mehrstimmigkeit oder sogar des Vorhandenseins verschiedener Instrumente verstärken. Besonders die percussiven Klänge an verschiedenen Stellen auf der Gitarre zeichnen den Fingerstyle aus.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang ist noch die Herkunft des Fingerstyles:
Als in den USA die industrielle Massenproduktion von preiswerten Gitarren einsetzte, löste die Gitarre das Banjo als Arme-Leute-Instrument ab. Gleichzeitig kamen als Musikrichtungen Ragtime und Blues in Mode - Weiße begannen, die schwarze Musik für sich zu entdecken, populäre Musik enthielt zunehmend "schwarze" Anteile.

In der Folge, wahrscheinlich mit angeregt durch Zupfanleitungen aus dem klassischen Gitarrenbereich, begannen Farbige, die sich u.a. auch kein Klavier leisten (und es als Wanderarbeiter und -musiker ja auch nicht mit sich herumtragen) konnten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen, indem sie den angesagten Ragtime und Blues als Tanz- und Unterhaltungsmusik auf ihren Gitarren zupften, wobei der Daumen der Zupfhand etwa das machte, was beim Ragtime-Klavier die linke Hand tat.

Der Fingerstyle bedankt sich den Pionieren der ersten Stunde, die teils in bitterer Armut und zumeist ohne jede öffentliche Anerkennung diese Stilrichtung initiiert haben. Diese armen, ungebildeten, unterdrückten und vielfach auch verachteten Leute schufen mit ihrem Fingerstyle die Basis all dessen, was später kam:

Z.B. der erfolgreiche Leo Kottke, der den Fingerstyle in den 1970er-Jahren prägte, war damals Referenzpunkt in Sachen Virtuosität. Einflussreiche Gitarristen waren in den 1970er- und 1980er-Jahren neben anderen Werner Lämmerhirt, David Qualey und Peter Finger. Klaus Weilands Titel „Das Loch in der Banane“, der vom NDR in den 1980er Jahren als Pausenmusik eingesetzt wurde, ist vermutlich das bekannteste Fingerstyle-Stück in Deutschland.

Das im Prinzip simple, aber absolut geniale Muster, nach dem sie Gitarre spielten, hat sich als tragfähig erwiesen, um jegliche denkbare Musik zu arrangieren und zu spielen; ihr Rhythmusgefühl, ihre Phrasierung und ihre Tonerzeugung aus der "schwarzen" Tradition verleihen dabei fast jedem Stil, den man spielt, einen besonderen Schwung, verglichen mit dem eher statisch-getragenem Spiel der klassischen europäischen Gitarre.

Dank diesem quasi angeborenen Charme ihrer Technik und ihres Stils hat der Fingerstyle im Laufe von etwa vier Generationen mehrere soziale, stilistische und geographische Grenzen überwunden; er ist von einem regionalen Phänomen des amerikanischen Südens zu einer globalen Bewegung geworden.

Quellen: Wikipedia, Michael Lohr